Geburtsbericht von I. Hellasdottir
Liebe Schwangere (mit Leibesfrucht Gesegnete:)), Mütter und Frauen ,
die es werden wollen oder auch nicht,
erstmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft und zur Geburt von
„Schwangerschaft Spirituell“. – In meiner noch gar nicht allzu lange
zurückliegenden Schwangerschaft ( ich habe ein 19 Monate junges Töchterchen)
habe ich mir derartigen Austausch gewünscht, leider aber kaum ähnlich
gesinnte Kontakte gehabt bzw. wenig Zeit gehabt, derlei Kontakte zu
knüpfen, weil so viele sehr materielle , absolut praktische Dinge zu tun
waren, denn die Feststellung der Frauenärztin „Sie sind schwanger!“ schlug
ein wie eine Bombe! Mein bis dato geführtes Leben war schlagartig vorbei.
Für mich war die Schwangerschaft eine sehr intensive Erfahrung. Ich bin
sowieso eine sehr emotionale Menschenfrau, in der Schwangerschaft war ich es
umso heftiger, teilweise sehr nah am Wasser gebaut, sehr verletzlich, aber
sehr hart, wenn es um das Mich-von-unguten-Leuten-Abgrenzen ging.
Schwangerschaft: meinem Kind eine HÜLLE geben, warme Höhle sein, es
schützen. Doch wer oder was umhüllt mich, gibt mir als schwangere Frau eine
Hülle?
Abgesehen vom eigenen Glauben, der umhüllt und schützt, ist es meiner
Meinung nach vor allem eine natürliche Umgebung, sowohl was die direkte
Natur angeht – frische Luft/ Grün atmen –als auch die umgebenden Menschen.
Beides war in Berlin nur spärlich gegeben.
Schwangerschaft im hot summer in Berlin: heftig –flirrende Extrovertiertheit
gepaart mit Autogestank. Als Frau, die die größte Zeit ihres Lebens in
naturnaher Umgebung gelebt hat, war der konstante Mangel an Grün bitter.
Die andere Seite: Berlin bietet Vieles für Schwangere und Gebärende und
Mamas! Und davon habe ich auch profitiert: Bauchtanz und Yoga in der
Schwangerschaft, gute Geburtsvorbereitungsmöglichkeiten, Geburtshäuser und
und und…
Vor allem Yoga hat mir in der Schwangerschaft gut getan!! Während unserer
Geburt konnte ich einiges, was ich im Yoga –Unterricht gelernt hatte,
wunderbar anwenden: das Atmen, Tönen, Mantren in mein Gebären einfliessen
lassen, meinem Baby leichter den Weg auf die Erde ebnen.
Ich habe mich bewusst vom Anfang an für das Gebären im Geburtshaus
entschieden. Meine Schwangerschaft verlief natürlich, außer gelegentlichen
stressbedingten Vorwehen gab es keine besonderen Komplikationen, Angst vor
unserer Geburt hatte ich auch nicht, mein Baby war gesund, wozu dann ins
„Kranken“ –Haus?
Mein Töchterchen A. Kiara Cerridwen ist am 28.07.2004 im Geburtshaus am
Klausener Platz zur Erde gekommen. Eine bessere Geburt hätten wir uns gar
nicht wünschen können!
Am frühen Abend des Vortages setzte ein leichtes Ziehen im unteren
Rückenbereich ein, langsames Entstehen leichter Wehen, die sich nach einem
schönen, warmen Bad bald verstärkten. Um Mitternacht platzte die
Fruchtblase. Das war wirklich komisch! Im Bett liegend höre und spüre ich
gleichzeitig „Plopp!“ und ein Schwall von Fruchtwasser läuft heraus. Die
Wehen wurden stärker, unsere Hebamme benachrichtigt, sie kam recht bald, und
dann brachen wir um ca 2.30 zum Geburtshaus auf. Mein Freund (er war während
der gesamten Geburtszeit dabei) unterstützte mich. Auf der Fahrt zum
Geburtshaus und auch schon vorher zu Hause musste ich viel brechen (
Autofahrt mit großem Eimer ), eine gute Reaktion meines Körpers, um
möglichst viel Ballast loszuwerden, um leichter gebären zu können.
Im Geburtshaus lag ich die erste Zeit müde auf dem Bett herum. Ich hatte
überhaupt keine Lust, irgendetwas von dem auszuprobieren, was ich im
Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte. Ich wollte nur noch in die
Badewanne, in mein Element Wasser. Im warmen Wasser habe ich mich sehr wohl
gefühlt, mich entspannt, ich konnte die Schmerzen leichter fliessen lassen.
Ich bin erst als Mama wieder aus der Wanne gekommen. Die Zeit dazwischen:
Atmen, Tönen, Schmerzen, Trance….eine zeitlose Zeit.
In der Austreibungsphase konnte ich dann schon die seidigen Haare meines
Mädchens mit meinen Fingern ertasten, sie war schon so nah am Tor zur Welt.
Für die letzte Phase passte meiner Meinung nach am Besten die Beschreibung
meiner Hebamme: „Es fühlt sich so an, als ob Du eine Kokusnuss kacken
müsstest.“ Unglaublich, was der weibliche Körper unter einer Geburt leistet!
Um 7.23 kam mein Töchterchen durch das Wasser auf die Erde. Die Nabelschnur
pulsierte erstmal in Ruhe aus und erst danach wurde die direkte Verbindung
zwischen dem Körper meines Töchterchens und meinem Körper getrennt. 20 min
später war die Plazenta da.
Gebären im Geburtshaus war genau das Richtige für mich: in intimer
Atmosphäre sich dem Geburtsgeschehen hingeben können, Schmerz wild
herausschreien können. Im Reich der Weißkittel hätte ich mich
möglicherweise verkrampft.
Unsere beiden Hebammen (zur Austreibungsphase kam die zweite Hebamme hinzu)
waren wunderbare Geburtsengel mit „goldenen Händen“.
Ich habe dann mein Töchterchen zum ersten Stillen angelegt. Sie wollte
erstmal 40 min durchschreien. Sie sah aus wie eine kleine süße schrumpelige
Schildkröte. Winzig und unbeholfen, versuchte sie, an der Brust zu saugen,
was ihr nach mehreren Versuchen dann auch gelang.
Nach einigen Stunden Erholung ging es zu dritt nach Hause
Ankommen in dieser Welt: ohne Bauch, mit einem winzigen Wesen im Arm ging
die Fahrt ins Wochenbett, in die „Babyflitterwochen“.
Hier noch kurz einige Tipps:
1. Literatur zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Stillen….
„Die Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann. Dieses Buch enthält
wunderbare Tipps z. B. zu Schwangerschaftsbeschwerden, Geburt, Wochenbett,
Stillen etc
Die Autorin ist eine erfahrene Hebamme und Fachfrau v.a. auf den Gebieten
Aromatherapie und Homöopathie. Ihr Buch stimmt wunderbar ein auf
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettzeit. Sehr empfehlenswert!
2. Literatur zum Thema Stillen:
„Das Stillbuch“ von Hannah Lothrop. Ein Klassiker. Sehr aufbauend, wenn es
v.a. am Anfang nicht so klappt mit dem Stillen und die Brustwarzen wund
sind. Wenn inkompetente KinderärztInnen meinen, frau weismachen zu müssen,
dass sie zufüttern müsse, da das Baby angeblich Gedeihstörungen habe, weil
es 9 Tage nach der Geburt das Geburtsgewicht noch nicht erreicht habe (das
ist mir passiert! Meine gute Hebamme und dieses Buch hatten mich dann wieder
aufgebaut. Manchmal dauert es einfach ein bisschen länger, bis das Baby das
Geburtsgewicht wieder erreicht hat und da ist es sehr wichtig, Mutter und
Kind genügend Zeit zu geben statt Panik zu verbreiten und vom mehrmals
täglichen Wiegen und Zufüttern zu reden.) Dieses Buch war Balsam auf meiner
Seele.
Ich stille übrigens immer noch. Wenn meine Tochter an die Brust möchte,
lasse ich sie.
3. die Plazenta:
Lasst Euch Eure Plazenta nicht klauen! Sie ist wertvoll! Sie hat Euer Kind
ernährt, ist ein kostbares Organ. Oftmals wird sie in Krankenhäusern
entweder weggeworfen oder weiterverkauft an Kosmetikindustrie bzw. für
„wissenschaftliche Zwecke“ verwendet.
Von meiner Plazenta habe ich nach der Geburt ein kleines Stück gekostet
(schmeckt ein bisschen nach Nuss), da dies auch die Rückbildung der
Gebärmutter fördert.( Falls es welche gibt, die angewidert das Gesicht
verziehen: ekelt ihr euch etwa auch vor eurem Mondblut?)
Außerdem habe ich einen Teil der Plazenta zu homöopathischer Medizin
verarbeiten lassen.
Folgendermaßen: ein Stückchen von der Plazenta abschneiden und in eine
Alkohollösung geben ( die wird vorher von der Firma, die die Homöopathika
herstellt, zugesendet) und dann dieses konservierte Stückchen bei der meines
Wissens nach einzigen Firma in Deutschland (kann mich aber auch täuschen)
einschicken (Fa. Mentop Pharma in Schleswig). Die angefertigten Homöopathika
holt frau dann Wochen später bei einer kooperativen Apotheke ab (aus
gesetzlichen Gründen darf die Verkauf der Präparate nur über eine
zwischengeschaltete Apotheke erfolgen, z.B. Zieten-Apotheke in der
Großbeerenstrasse in Berlin-x-Berg ist sehr kooperativ).
Der große Rest der Plazenta mitsamt Nabelschnur lagert noch im Gefrierfach.
Sie wartet auf den Sommer, wenn sie vergraben wird, irgendwo im schönen
Grünen………. .
Ich wünsche allen Frauen mit und ohne Bauch gutes Gedeihen!
I. Hellasdottir
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