Meine überraschende Schwangerschaft hat vieles geändert, vor allem in mir.
Schwangerschaft ist für mich ein Initiationsweg.
Mir war vorher klar, dass es ein großes Mysterium ist, eine unbeschreiblich vielfältige Erfahrung, auch an Initiationsweg hatte ich schon mal gedacht.
Trotzdem fühlt es sich ganz anders an als ich jemals gedacht hätte.
Es ist für mich eine spirituelle Reise, die aber maßgeblich vom Körper mitbestimmt wird. Viele alte bekannte Themen und Muster tauchen wieder auf - aber ich habe nun starke Verbündete, um damit klar zukommen: allen voran mein Körper. Anfangs fühlte ich mich ferngesteuert, weil mir meine eigenen Wahrnehmungen, Emotionen und Handlungen fremd waren. Heute im 5. Monat fühle ich mich unterstützt durch meinen Körper auf allen Ebenen.
Am Tag, bevor ich erfuhr, dass ich schwanger bin, machte ich ein kleines Vollmondritual und nahm unter Tränen meine volle Weiblichkeit an mit allem, was es bedeutet. Am nächsten Tag wurde mir erst klar, _was_ es bedeutet. Trotz des riesigen Schocks wollte ich aber von Beginn an diese einmalige Erfahrung ganz zulassen, mich darauf einlassen.
Die Schwangerschaft dreht sich bei mir vor allem um das Thema Geborgenheit, nähren, sorgen und natürlich Weiblichkeit und Mutterschaft - sowie weitere Themen, die damit zusammen hängen. Allesamt keine einfachen Themen für mich :)
Aber während ich sonst manchmal das Gefühl habe, klein und allein - Willensgesteuert - gegen alte große Verhaltensmuster zu kämpfen, mit denen ich mich selber behindere, habe ich in der Schwangerschaft das Gefühl, dass die Problem-Muster zwar drastisch an Deutlichkeit und Dringlichkeit zugenommen haben, aber dass ich besser mit allen meinen Ebenen zusammenarbeiten kann und mit ein wenig (oder auch mal mehr) Hilfe im Außen viel besser, mächtiger dadruch navigieren kann als sonst. So ist das also, wenn frau manchmal ganz ist und mit allen Ebenen an etwas arbeitet - manchmal geht es wie von selbst - manchmal schwer- aber ich fühle mich nicht mehr als überforderte Einzelkämpferin gegen mich selber sondern geführt und behütet.
Gerade aber das geführt und behütet fühlen hat lange gebraucht, bis ich es fühlen konnte. Denn mich selber nähren und vertrauen darauf, geführt und behütet zu sein, gleichzeitig aber auch stark - all dies ist neu für mich in dieser Weise.
Aber auf der äußeren Ebene war das Nähren und behüten vom ersten Tag an (von dem ich von meiner Schwangerschaft erfuhr - Ende des 2. Monats) ein wichtiges Thema. Meine körperlichen und seelischen Bedürfnisse wurden mir so klar wie nie zu vor und ich konnte - ja musste sie so wichtig nehmen wie nie zuvor. Von Beginn an war da ein klares scharfes Gefühl dafür, was richtig und gesund für mich ist und was mir schadet - ein Gefühl, dass ich vor allem nicht ignorieren konnte, weil es sonst zu körperlichem Unwohlsein, Schmerzen und anderen Symptomen und Heulkrämpfen führte, egal ob es sich um die Arbeitssituation, das Essen, Rauch und Abgase, Beziehungsthemen oder Diskussionsverhalten handelt.
Auch jetzt merke ich sehr schnell, wenn ich mich mir selbst gegenüber falsch verhalte, mindestens ein “unmotivierter” oder zumindest überraschender Heulkrampf ist sicher.
Es ist aber nicht so, dass mir alles einfach leichter von der Hand geht und ich Schwangerschaft als Weg zum an sich selber arbeiten empfehlen will - das dürfte wohl die falsche Motivation sein :) Es ist vor allem auch so, dass die Probleme, die Dinge, die vorher schon nicht in Ordnung waren - aber einfach ignoriert werden konnten - viel dringender werden nicht mehr länger ignorierbar - das ist alles andere als immer ein schönes Gefühl. Aber wenn wieder ein Schritt gelungen ist, dann fühlt es sich sehr befreiend und ermächtigend an.
Die neun Monate sind bitter nötig für mich. Ich kämpfe regelrecht um genügend Freiraum und Freizeit, die ich benötige, um seelisch bei mir selber zu bleiben - um nachzukommen und die Gelegenheit nutzen zu können. Neun Monate sind aber auch verdammt wenig Zeit, um ein paar grundlegende Lebensthemen zu bearbeiten - aber wohl genügend Zeit, um alle wichtigen Schritte unternehmen zu können. Ich bin auf jeden Fall froh, die meisten der aktuellen Themen schonmal betrachtet zu haben, auch schon angefangen zu haben, sie zu bearbeiten in den letzten Jahren, so dass ich jetzt ja vielleicht doch das eine oder andere zum Abschluss bringen kann und langfristig gewandelt aus der Schangerschaft hervorgehe.
Außerdem ist die Schwangerschaft meines Erachtens der letzte Punkt, um zu lernen, sich selber zu nähren. Diese Lektion ist die Basis für meine kommende Mutterschaft. Nicht so sehr, um das Kind zu nähren. Ich habe das Gefühl, dass dies das kleinere Problem ist - sondern vielmehr, um mich selbst in der anspruchsvollen Zeit Zeit der Mutterschaft selber zu nähren und für mich zu sorgen, denn das ist die Grundlage von gesunder Mutterschaft.