vor meiner ersten schwangerschaft hatte ich immer wieder mal träume, in denen ich mich als mutter oder gar als großmutter sah. es waren diese art „prophetischer“ träume, die einem die sicherheit geben, dass man den richtigen weg eingeschlagen hat, um glücklich zu werden. meine träume von der mutter- bzw. großmutter-rolle waren sehr detailliert. eine ähnliche art von träumen hatte ich auch schon vom studium, einer beziehung oder einem job.
während der gesamten schwangerschaft gab es jedoch nicht einen einzigen traum, der mich mit meinem kind zeigte. dafür hatte ich genügend träume, die mir die geburt meines kindes als eine feststehende tatsache zeigten, mein leben dabei aber zu ende war. danach kam für mich selbst einfach nichts mehr.
natürlich empfand ich das als erschreckend. ich machte mir gedanken um meinen realen tod bei der geburt. schließlich ist so etwas immer ein risiko. und täglich sterben heute noch 1.600 frauen während schwangerschaft und geburt (wobei 98 % der todesfälle in entwicklungsländern zu verzeichnen sind). dieses thema gehört zur schwangerschaft dazu. denn nun hat man nicht nur verantwortung für sich, sondern für ein neues leben, das man jederzeit gut behütet wissen möchte, auch wenn man selbst vielleicht nicht mehr dazu in der lage ist.
nachdem ich dieses thema für mich abgearbeitet hatte, dachte ich erneut über die träume nach. letztendlich zeigten sie mir symbolisch, was unwiderruflich wirklich eintreten würde: mein bisheriges leben stirbt. und ich beginne etwas, von dem ich einfach keine konkreten vorstellungen haben kann. man kann noch so viel lesen und von anderen in erfahrung bringen, man wird erst fühlen können, wie es ist, das eigene kind im arm zu haben, wenn man es im arm hat. ich wünsche, es wäre bei jeder frau so unbeschreiblich überwältigend schön, wie es bei mir der fall war.
übrigens: seit unser sohn auf der welt ist, träumen sowohl mein partner als auch ich sehr häufig von ihm.