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Steinzeit und Fortschrittsglaube

"Die meisten von uns sind mit der Vorstellung von 'Höhlenmenschen' aufgewachsen, die eine erbärmliche und verzweifelte Existenz führen. Auch das gehört zur Ideologie des Primitivismus*, denn sie besagt, dass es uns mit unserer modernen, technologishcen Gesellschaft so viel besser geht und die ganze Gesellschaft zu einem stetigen Fortschritt mit immer besseren Bedingungen geführt hat. Wenn wir unser Leben heute unbefriedigend finden, können wir uns einreden, dass uns keine andere Wahl bleibt und die Menschen früher viel mehr gelitten haben als wir. Eine solche Ansicht über das altsteinzeitliche Leben rechtfertigt nicht nur die sogenannten 'großen Zivilisationen', die mit die mit den Sumerer ihren Anfang genommen haben, sondern sogar auch den späteren Kapitalismus. Wenn Ökologen und andere usnere konsumorientierte Einstellung zur Natur angreifen, führen Konservative oft das angebliche Elend an, das vor der menschlichen Herrschaft über die Natur verbreitet war. Die Forschung hat dieser Meinung über das prähistorische Leben widersprochen. In einem Artikel mit dem Titel 'The First Affluent Socienty' (Die erste Wohlstandsgesellschaft) zeigt Marshall Sahlins auf, dass paläolitische Menschen nur 14 Stunden in der Woche arbeiten mussten, um sich zu ernähren, einzukleiden und zu schützen.
In Anbetracht der Tatsache, dass Menschen 60 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten zu müssen, einfach um überleben zu können, zieht diese verblüffende und revolutionäre Information unsere Ansichten über unser heutiges Leben in Zweifel. ...
Dies hilft uns bei der notwendigen und schwierigen Aufgabe, gerade die Betrachtung der Menschheitsgeschichte als fortschrittliche Entwicklung von Barbarei und Elend zu Zivilisation und Bequemlichkeit in Frage zu stellen. Und es führt uns zu der Überlegung, womit sich Menschen eigentlich beschäftigen, wenn sie nur 14 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Nun, zum einen wenden sie Zeit Energie und die vereinten Kräfte auf, um große Werke spiritueller Kuns zu schaffen."

Rachel Pollack, Im Körper der Göttin

* Primitivismus ist kein Fachbegriff in dem Sinne, wie ihn die Autorin hier verwendet. Es scheint mir eine etwas missverständliche Wortwahl: "Fortschrittsglaube" wäre vielleicht besser gewählt
Auf jeden Fall geht es um die namenlose Ideologie die uns vermittelt, dass heute alles besser und schöner ist als früher und früher alle nen Menschen nen Happen blöd waren und ein grausiges Leben führen mussten. Der gleiche gedankliche Ansatz, der von früher von "Wilden im Busch" gesprochen hat, die es zu missionieren und "zivilisieren" gilt...

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Über diese Seite

Diese Seite enthält einen einzelnen am 25.03.05 11:10 erschienenen Blogeintrag.

Zuvor erschien in diesem Blog Stadtmagie / Stadtkunst.

Danach erschien Bedrohte Schmetterlinge.

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