Kurioses und Absurdes

Die blaue Ersatzflüssigkeit– Seltsame Begriffe

Die blaue Ersatzflüssigkeit

Wie stark die Menstruation und vor allem das Blut in der heutigen Gesellschaft immernoch tabuisiert ist, kann man an den äußerst ästhetischen und hygienisch wirkenden Illustrationen in diversen Tampon-Packungen und an den klaren, frischen Bildern der Hygieneartikel-Webespots ablesen.

Da werden blaue Flüssigkeiten (Blau ist nach der Farbe Weiß die stärkste Farbe für Reinheit, Hygiene und Sauberkeit, mehr zu dem Thema Farben und deren Wirkung findest du in dem Artikel „ Die Wirkung und Zuordnung von Farben“) auf Binden gekippt, lächelnde Damen in hell erleuchteten Räumen demonstrieren uns, wie leicht es ist, trotz des schmutzigen Blutes rein und sauber zu bleiben.
Die Illustrationen sämtlicher Tamponhersteller sind in den Farben Blau, Weiß und manchmal Grün gehalten, es taucht auf keinem Beipackzettel die stärkste Farbe des Blutes auf - Rot.

Was suggeriert uns das? Durch den verwendeten Tampon oder die Binde bleibt das Blut unsichtbar. Blut gehört nicht in die Öffentlichkeit. Blut läst Spiegel anlaufen, Milch sauer werden, Männer schreiend davonrennen. Und obwohl du trotz aller Vorkehrungen, die du treffen kannst, nicht so rein und klar sein wirst wie die Dame im Werbespot, wirst du doch zumindest etwas sauberer sein, als wenn du den Hygieneartikel nicht verwendest. Schlimmer noch: Durch diverse Vergleiche wird klar gestellt, dass nur der eine spezielle Tampon oder die eine spezielle Binde fähig ist, dir dieses Gefühl von Sauberkeit und Sicherheit zu geben.

Das Fatale an der Sache ist, dass durch diese werbetechnisch klugen Suggestionen das Verhältnis der Frau zu ihrem Blut gestört wird. Sie betrachtet es als unsauber, als Gefahr in der Öffentlichkeit und als störend im Alltag. Un diesen Zustand zumindest etwas abzumildern, wird sie dazu angehalten, auf das beworbene Produkt zurückzugreifen.

Zum Schlus noch einige aufschlussreiche Zitate zu diesem Thema.

„Natürlich: Bei ob & Co. findet die Menstruation, wie die Werbung eindrücklich zeigt, immer nur in der Handfläche statt. Zudem blutet es dort frisch und blau, und die Frauen sehen aus wie das blühende Leben“

Ein anderer Artikel bringt die Suggestionen, die durch die Werbung geschaffen oder bekräftigt werden, noch deutlicher zum Vorschein:

Frau fühlt sich frei mit einem matschigen Stück Zellstoff im Schritt. Blut ist blau.
Man braucht schlaue Binden, um Blut in ein „Gel“ zu verwandeln, denn es gerinnt nicht von selber.
Es gibt Menschen, die sich allabendlich für die neueste Forschung auf dem Gebiet des Aufsaugens von Blut und absterbender Gebärmutterinnereien interessieren. Es gibt dabei außer der Packungsgröße wesentliche Unterschiede zu Pampers.“

„Wenn im nachfolgend untersuchten Werbematerial nun von "Menstruationsflüssigkeit" statt vom „Menstruationsblut“ die Rede ist, wenn blaue Flüssigkeit statt rotem Blute in Werbefilmen gezeigt wird, ist dies eine Verfremdung einer „wissenschaftlichen“ Perspektive. Eine derart strukturierte Visualität hat Wissenschaftlichkeit erfolgreich als populäres Image gespeichert. Eine für Hygiene werbende Visualität benutzt in ihren Illustrationen die Aura einer Wissenschaftlichkeit, die sie in munteren Farbwechseln zu einer illustren „Modernität“ verkehrt.
Blaue Menstruationsflüssigkeit weist dabei gleichzeitig hin auf die Angst, daß der „Horror“ vor dem roten Menstruationsblut evoziert werden könnte. So findet in blauer Flüssigkeit Menstruationsblut seine eigene, ideologische Sublimation.
Wir haben gesehen, daß in einer kulturellen Schwarz-Weiß-Malerei das Menstruationsblut lange Zeit als das schlechte, das geopferte Blut hingegen als das gute dargestellt worden ist. Die allmähliche, kulturelle Neueinfärbung des Blutes im 20.Jahrhundert findet in der Werbevisualität ihre abschließende Sublimation. Wenn Blut sonst in seiner Röte das Zeichen von Echtheit und dramatischer Authentizität im Film ist, ist seine Blauheit im kosmetisch gefärbten Werbefilm Zeichen für dessen ausgeprägte Virtualität. Dabei bietet uns blaues Blut ganz eindeutig schönere, edlere Assoziationen. Wenn gezeigt wird, wie blaues Blut in weißem Wattestoff aufgefangen wird, bewegen wir uns in chemisch gereinigten Räumen des Wohlempfindens. Diese Über-Räume sind präventiv desinfiziert worden - gegen Horrorvorstellungen, damit wir uns in ihnen wohl fühlen dürfen. Auch hier ist Menstruationsblut tabuisiert worden, was mir nur aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive heraus überhaupt verständlich wurde: Wäre Menstruationsblut nicht kulturgeschichtlich und damit auch psychologisch belastet, wäre seine Tabuisierung und farbliche Neubesetzung in der Binden- und Tamponwerbung vollkommen absurd.“


Quellen: Sonntagszeitung online
Schablonski.de
Der Tampon im Hyperspace
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Seltsame Begriffe...

Vielleicht hat die eine oder die andere bereits mit dem Thema dieses Eintrages ihre Erfahrungen sammeln können. Es geht um die seltsamen Begrifflichkeiten, die von verschämten Frauen oder - was seltener vorkommt, da sie vorziehen, sich zum Thema auszuschweigen - Männern entwickelt werden, um das „schmutzige Thema“ Menstruatuion zu verschleiern.
Allgemein werden Begriffe wie Blut, Menstruation, Periode und ähnliche, eher klare Ausdrücke seltener gebraucht, statt dessen entwickeln sich regionale, manchmal auch nur auf einen kleinen Personenkreis beschränkte Ausdrücke, die das Gesprächsthema, das Blut, vor den Ohren der anderen verbergen sollen.
Je weniger offen über die Menstruation geredet werden kann, desto interessantere und absurdere Bezeichnungen findet man.

Die falsche Scham bringt die irrwitzigsten und eigenartigsten Begriffe hervor;
Hier nur einige davon, wenn ihr noch welche hinzufügen wollt, tut das.

Diese Begriffe sind zum Teil schon in unseren täglichen Sprachgebrauch eingeflossen und werden mittlerweile fast überall verstanden

Regel
Zyklus
die Tage


Weitaus bildhaftere und fantasievollere Namen sind zum Beispiel:

Tante Rosa kommt
(dazu gibt es im englischen Sprachgebrauch die Entsprechung "Aunt Rose is coming"
Interessanter Weise kommt „Tante Rosa“ manchmal sogar aus Amerika...)
Die rote Tante
Die rote Königin
Die rote Woche
Die roten Tage
Mondblut
Das rotes Meer


Eindeutig negativ besetzte Worte und Begriffe sind zum Beispiel:

Unwohlsein
Unpässlichkeit
Die kritischen Tage
„Die hat ihren Kram / ihr Zeuch“

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Geändert am: 25.05.2003