Die Mondzeit der Frau bei den Naturvölkern


Gänzlich anders als im arabisch-semitischen Kulturraum wird der weibliche Zyklus bei Indianern und anderen Urvölkern nicht als unrein verteufelt, sondern als ganz besonderer Ausdruck weiblicher Macht verstanden. Demzufolge gibt es eine Reihe von Verhaltensnormen und Regeln, die den energetischen Sonderzustand der Menses (Menstruation, Periode, Zyklus) zum Thema haben.

Entscheidendes Kriterium ist dabei das Verständnis des Zyklus als Energiephänomen. Indianer sagen, in dieser Zeit hätten Frauen ein solches Übermaß spiritueller Energie, daß sie alle andere in einer Zeremonie freigesetzte Energie entweder an sich binden oder neutralisieren. Was gleichzeitig überflüssig sei, da sie mehr Energie, als von Mutter Natur schon initiiert, doch nicht aufnehmen könnten.

Im schlimmsten Falle würden die beiden Energiemuster - wie bei einer Verbindung eines Wechsel- und Gleichstromkreislaufes - kollabieren und sich kurzschließen. Dass dies kein „primitiver Aberglaube“ ist, bestätigen nicht nur Generationen von Bauern und Hausfrauen, die menstruierenden Frauen das Melken, Mayonnaisezubereiten und Marmeladekochen abraten, weil sonst die Haltbarkeit leidet, sondern auch die modernste Wissenschaft: Bei Laborversuchen zeigte sich, dass bestimmte Kulturen immer ausfielen, wenn sie von menstruierenden Frauen gehandhabt wurden. Auch hochsensible Computerchips, die auf kristallinen Strukturen basieren, reagieren auf diese Ausstrahlung durch Veränderungen in deren Programmierungsverhalten.

Dies kann sich leicht wieder so anhören, als ob diese Kraftmanifestation negativ wäre, doch dies scheint nur unserem europäischen Weltbild, das zu idealisierenden Verzerrungen neigt, so. Im indianischen Weltverständnis ist genau wie bei den Kelten oder Indern die Dreiheit von „Geburt - Entwicklung - Tod“ bzw. „Werden - Sein - Vergehen“ selbstverständlich und jeder Aspekt mit einem besonderen Segen verbunden. Diesen zu verstehen und seine Verwendung zu entschlüsseln, mag ein Leben dauern. Diese Chance zu vergeben, hieße jedoch, einen Teil des eigenen Lebens zu verpassen.

Wie positiv diese Kraft gesehen wird, zeigt sich bei den Lakotas: Wenn ein junges Mädchen die erste Menstruation erlebt, wird von der ganzen Familie eine große Zeremonie veranstaltet, „Das Werfen des Balles“ genannt. Nach einer ganzen Nacht, die alle Verwandten mit Gebeten für das junge Mädchen verbringen, wird sie dann am Morgen geweckt und gänzlich neu in weißes Hirschleder eingekleidet. Dann geben ihr vier respektierte und geliebte, ältere, weibliche Verwandte (meistens nicht die Mutter!) ausführlich Ratschläge unter vier Augen. Danach versammelt sich der ganze Stamm und das Mädchen wirft einen kunstvoll mit Perlen von den vier Frauen bestickten Ball nacheinander vier respektierten Chiefs oder Medizinmännern zu, die das Mädchen segnen. Danach gilt sie als „spirituell geboren“.

Auch bei den Nootka-Indianern feiert das ganze Dorf zu diesem Anlaß ein großes Fest. Anschließend darf das Mädchen seine neue Kraft demonstrieren. Sie wird aufs Meer hinausgerudert und muß allein zur Küste schwimmen! Keine Spur von „Krank-und-schwach“-Mythos, wie er bei uns gepflegt wird, ist hier zu finden.

Auch in Japan und Sri Lanka werden die Mädchen mit großen Festessen gefeiert und in Ceylon ganz in weiß neu eingekleidet stolz dem Dorf präsentiert.

Deutlicher noch wird die spirituelle Kraft dieser geheimnisvollen Wandlung in Südindien gemacht. Hier werden neun Tage lang die jungen Frauen morgens und abends als Göttinnen geschmückt und gekleidet, rituell mit Licht-, Rauch- und Blumenopfern angebetet. Sie gelten als Verkörperung von Devi, der weiblichen göttlichen Kraft. Dabei ist auffällig, daß in Südindien bei den drawidischen Ureinwohnern, welche 5.000 Jahre arischer Kolonisation mit intaktem matriarchalischen Weltbild überlebten, die gleichen Regeln eingehalten werden wie bei Indianern, Aboriginals und anderen Urvölkern weltweit: Die Frauen isolieren sich, führen geheime Riten durch und partizipieren nicht an den Gebeten und Zeremonien der anderen. Je matriarchalischer die Gesellschaft, umso strenger die Regeln, was nicht verwundert, da Männer kaum dafür die Gründe kennen dürften - und so kaum das Verständnis für ihre Notwendigkeit entwickeln können.

Im folgenden findest Du nun eine Erklärung indianischer Akademikerinnen, wie sie anläßlich einer Konferenz zu Frauenfragen formuliert wurde:

Die Moontime aus traditioneller indianischer Sicht

Wenn die Mondzeit (Menses) beginnt, wird die Frau von der Natur gereinigt. In dieser besonderen Zeit sollte sie in Harmonie sein mit der Mutter Erde und den kosmischen Kräften des Universums. Sie sollte sich von den Männern und der Gesellschaft im allgemeinen fernhalten, mit der Absicht, ihre Gedanken, ihren K6rper und ihre Seele zu reinigen. Es ist eine heilige Zeit für die Frau, in der sie sich zurücknehmen sollte, um sich in ihrem ganzen Wesen zu revitalisieren. Es ist eine Zeit der Kontemplation, der Meditation, des Gebetes und der persönlichen Einkehr. Es ist eine Gelegenheit, sich zu „zentrieren“ und sich zu verbinden mit der Erd-Mutter. Sie sollte die Mondzeit in einer sptrituellen und respektvollen Art und Weise begehen, mit Gebeten, an den Mond gerichtet. Während die Natur die Frauen „reinigt“, wird sie von „Verunreinigungen“, Toxinen und negativer Energie befreit. Zur selben Zeit jedoch wird sie von den kosmischen Kräften des Universums aufgeladen. Deswegen sollte sie sich zurückziehen und sich von bestimmter Nahrung, Drogen, Alkohol, Sex sowie heimischen und sozialen Pflichten enthalten. Es ist notwendig, daß sie sich in dieser Zeit auf sich selbst konzentriert um ihre Kräfte zu bündeln. Sie sollte diese Kräfte nicht verstreuen oder verschwenden, da dies schädlich für sie und andere sein kann. Die Mondzeit ist eine private und pers6nliche Zeremonie mit sich selbst und der Erde. Es sollte eine mystische, magische und mysteriöse Zeit sein und nicht mit Scham gesehen oder als Strafe betrachtet werden. Die Menses kann einer Frau zur Selbstverwirklichung helfen. Ebenso kann sie helfen, Selbstvertrauen zu entwickeln und das intuitive und seelische Potential zu fördern, welche für das Leben der Frau unterstützend sind. Dies ist auch eine Zeit, um besonders auf die Träume zu achten, auf das „Unbewußte“ zu hören und das physische, geistige und spirituelle Bewußtsein aufeinander abzustimmen. Die traditionellen indianischen Frauen betrachten ihre Mondzeit als eine mystische Erfahrung der Wahrheit, deshalb wenden sie sich dem „Zehn-Tage-Ritual“ mit Respekt zu.

Die folgenden spirituellen Gesetze werden von den Frauen während ihrer Mondzeit beachtet, mit der Absicht, Erkrankungen, Leiden oder Schaden von sich und anderen fernzuhalten:

Sie sollte keine vierfüßigen Wildtiere zubereiten oder essen
Sie sollte keine Drogen, Alkohol oder Fleisch zu sich nehmen und sich nicht sexuell betätigen
Sie sollte nie im Meer, Flüssen, Bächen oder Seen schwimmen, da sich an solchen Orten die "spirits" aufhalten
Sie sollte nicht zu heiligen Bergen, Wüsten oder Tälern wandern, da solche Plätze das Heim von kraftvollen spirits sind.
Sie sollte nicht an religiösen Tänzen, Zeremonien und Begräbnissen teilnehmen, da sie die anderen mit ihrer Kraft und ihrer Ausstrahlung beeinflussen kann.
Sie sollte keine Gegenstdnde berühren, die für Zeremonien verwendet werden, wie Federn oder Felle von Elchen, Bären, Hirschen, Ottern etc., da solche Kraftgegenstände sich nicht mit den Kräften der menstruierenden Frau auf einem spirituellen Weg mischen.
Sie sollte keine Heilpflanzen sammeln, trocknen oder sonst zubereiten, außer Pflanzen, die speziell entspannend während der Mondzeit wirken.
Sie sollte Salate und Rohkost zu sich nehmen, viel Fruchtsäfte trinken und sich eiweißreich mit Fisch, Eiern, Käse, Bohnen etc. ernähren.
Sie sollte eher im kalten als im heißen Wasser baden. Es ist besser für die Spannkraft und die Klarheit der Frau.

Sei stolz
Sei stark
Sei schön
Sei spirituell
Sei eine zentrierte Frau


Quelle: Schockwellenreiter

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Geändert am: 25.05.2003